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Dr. Stephan Rindlisbacher - Aktuelle Forschungsprojekte

Rindlisbacher_190 ©Stephan Rindlisbacher

Deutsche und polnische Akteure der Neuen Ökonomischen Politik (NĖP). Die Dorfsowjets in der sowjetukrainischen Provinz, 1923-1928

Mit einer Bundeszuwendung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien im Referat „Geschichte der Deutschen im östlichen Europa“ erforschen polnische, ukrainische und deutsche Wissenschaftler Schlüsselquellen zur Rolle deutscher und polnischer Akteure im Laufe der Neuen Ökonomischen Politik aus ukrainischen Staatsarchiven. Mit diesem Vorhaben soll die Phase der Konsolidierung der sowjetischen Herrschaft zwischen Bürgerkrieg und Zwangskollektivierung aus der Perspektive deutsch- und polnischsprachiger Gruppen beleuchtet werden und in eine zweisprachige Edition von Quellen zur Rolle der Dorfsowjets in deutscher und polnischer Sprache münden. In Kooperation mit der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne entsteht mit einem elektronischen Themenmodul zu administrativen und ökonomischen Aspekten der neuen Nationalitätenpolitik der Bol‘ševiki gegenüber der deutschen Gruppe in der ukrainischen Sowjetrepublik ein zweiter wichtiger Bestandteil dieser Grundlagenforschung.

 

Teritorialisierungsprozesse im Sowjetstaat von 1918/22 bis 1936

Die Frage, wie der Grenzen zwischen den Sowjetrepubliken festgelegt worden sind, ist spätestens seit der Krimkrise 2014 wieder ein international diskutiertes Thema. Auch im Südkaukasus sowie in Zentralasien geben die Grenzziehungen aus der Sowjetzeit bis heute Anlass für zwischenstaatliche Konflikte. Doch wie und unter welchen Voraussetzungen wurden die Grenzen zwischen den Unionsrepubliken gezogen? Welche Akteurewaren an diesen Territorialisierungsprozessen beteiligt? Wer konnte mit welchen Argumenten mitreden? Diese Fragen stehen im Zentrum meines Projekts. Anhand von Fallbeispielen aus dem Südwesten der Union (Ukraine-Russland), dem Südkaukasus (Armenien-Aserbaidschan) sowie aus Zentralasien (Usbekistan, Kasachstan und Kirgistan) untersuche ich vergleichend die Schaffung dieser nationalen Territorien. Dabei zeichnet sich immer deutlicher ab, dass es sich um komplexe Aushandlungsprozesse handelte, bei welchen die Parteiführung in Moskau vor allem im Südkaukasus und in Zentralasien auf die Expertise lokaler Akteure angewiesen war. Das Ziel des Projekts ist, einerseits das historische Verständnis für die aktuellen Territorialkonflikte in diesen Grenzregionen zu verbessern, und anderseits am Beispiel der Territorialisierungsprozesse zur laufenden Debatte über die Herrschaftspraktiken im Sowjetstaat beizutragen.