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Forschungskolloquium des Zentrums für Interdisziplinäre Polenstudien im Sommersemester 2022

Donnerstag 11.00 – 13.00 Uhr c.t.

Das Forschungskolloquium des Zentrums für Interdisziplinäre Polenstudien dient der Diskussion neuerer Forschungsansätze und Methoden der interdisziplinären Polenstudien. Polenstudien werden hier als integraler Teil einer regional aufgestellten Ostmitteleuropaforschung verstanden. Ziel ist ein umfassendes Verständnis – historischer wie aktueller – gesellschaftlicher, ökonomischer und kultureller Prozesse in Polen vor einem europäischen wie globalen Hintergrund. Diese Auffassung von Polenstudien setzt eine interdisziplinäre Herangehensweise voraus. Das Frankfurter Zentrum ergänzt die traditionell eher geisteswissenschaftlich geprägte Polenforschung durch wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Ansätze und Methoden.

Seit dem Wintersemester 2012/13 haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Doktoranden und Doktorandinnen sowie Assoziierte aus den Bereichen Medien und Wirtschaft in über 200 Vorträgen ihre Arbeit vorgestellt und diskutiert.

Im Sommersemester 2022 präsentieren wissenschaftler und assozierte Mitglider die aktuellen Ergebnisse ihrer Arbeit.

Interessierte sind herzlich willkommen!

Wietere Informationen unter klodnicki@europa-uni.de.

The lecture focuses on an analysis of entrepreneurship in Poland as an economic, social as well as cultural phenomena. The aim will be to present the theoretical framework of transition from socialism to market economy and the context of Poland‘s accession to the EU and the pandemia Covid-19 crisis (2020-2021). Based on own research results from the last 15 years, the Author presents the trajectory of development/underdevelopment of entrepreneurship.

Moderation: Prof. Dr. Dagmara Jajeśniak-Quast
Zeit: 11:15 Uhr
Raum: GD 312

Im Zentrum dieses Vortrags steht die Geschichte des politischen Denkens in Weißrussland beim Übergang von einer „democracy by default“ zu einem konsolidierten autoritären Regime. Ich untersuche dabei, wie intellektuelle und politische Akteure während der durch die Perestroika offenbarten sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Krise den angestrebten Wandel verhandelten. Ich beginne mit dem anfänglichen Konsens über die Notwendigkeit, den sowjetischen Sozialismus zu reformieren. Dieser Konsens war aber noch im alten sowjetischen, stalinistischen Denken verhaftet. Unterstützer der Perestroika verwendeten vertraute Kategorien und luden sie mit neuen, „liberalen“ Bedeutungen auf. So entstand eine reformierte Sprache zu sowjetischen Deutungen vom Selbst, die Handlungsfähigkeit und Geschichte mit Elementen aus der neoklassischen Wirtschaftslehre zu verbinden suchte. Indem ich untersuche, wie diese innovative Sprache der Perestroika in neue Felder übertragen, an sich wandelnde Kontexte und Ziele angepasst und schließlich von einer konservativen Gegenreaktion immer mehr verdrängt worden ist, biete ich neue Perspektiven auf den Aufstieg des Autoritarismus in Weißrussland, die über die allzu vereinfachenden Narrative vom ethnischen Nationalismus der Demokraten und die Sowjetnostalgie der Konservativen hinausgehen.

Moderation: Dr. Falk Flade
Zeit: 11:15 Uhr
Raum: GD 312

The intensifying human flow globally increases the significance of research on cross-cultural adaptation. The challenges caused by cultural differences have been researched thoroughly in the literature. However, rather than focusing on the challenges, this research investigates the effect of the common practice which crosses borders of any culture; collective musicking as a social activity in an intercultural context. Thereby, the main inquiry is how collective musicking shapes migrants’ cross-cultural adaptation who arrived in Poland from various countries. For this purpose, with a qualitative approach in its nature, the current research is designed to investigate the relevance between migrants’ sociocultural adaptation and musicking as a social activity by emphasizing the musicking’s social bonding role between individuals with different cultural backgrounds. In-depth interviews and observations will be the primary tools for data collection. In addition, auto-ethnographical entries will be employed to enrich the data collected from musicking migrants who reside in Poland. Lastly, unexpected findings from the pilot study are worth focusing on, as it is an under-explored phenomenon in the literature. Accordingly, privilege shown to the musicking migrants by the locals in various contexts is a phenomenon that may be enabling international migrants to adapt faster and easier to the environment they are in.

Moderation: Dr. Stephan Rindlisbacher
Zeit: 11:15 Uhr
Raum: CP 21 (Collegium Polonicum Słubice)

In der Regel haben Kriege nicht nur eine militärisch-politische Dimension, sie zerstören buchstäblich alle Aspekte der menschlichen Existenz – das persönliche Schicksal der Menschen, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik und, selbstverständlich, auch Kultur und Kunstwerke. Der Raub von Kunstgegenständen ist jedoch nicht nur eine Geschichte vergangener Jahrhunderte, leider ist auch die Gegenwart ziemlich reich an ähnlichen Beispielen. Als Hitler an die Macht kam, beschloss er, Deutschland sein persönliches Museum mit einer Sammlung von Kunstschätzen zu schenken. So entstand 1939 der Sonderauftrag Linz – eine von Hitler eingesetzte und ihm direkt unterstellte informelle Institution, die den Auftrag hatte, Kunstwerke für das sogenannte Führermuseum in Linz an der Donau durch Beschlagnahme und Zwangsverkauf zusammenzutragen. Obwohl sich das Hauptaugenmerk der Kunsträuber des Sonderauftrags Linz auf Museen und Sammlungen der besetzten Länder Westeuropas konzentrierte, begann diese Tätigkeit jedoch in Polen, das 1939 zum ersten Opfer der NS-Aggression wurde. Diesem Thema sind die wissenschaftlichen Beiträge von Professor V. Sacharov und Frau Dozentin T. Timofeeva (Lomonossow-Universität zu Moskau) gewidmet.

Moderation: Dr. Frank Grelka
Zeit: 11:15 Uhr
Raum: AM 205

Durch die russische Invasion in die Ukraine und die Millionen von ukrainischen Flüchtlingen in Polen rücken die polnisch-ukrainischen Beziehungen in den Mittelpunkt des Interesses der europäischen Öffentlichkeit. Die polnisch-ukrainischen Beziehungen sind heute ein wichtiger Baustein des Friedens im östlichen Mitteleuropa. Zudem ist die Qualität der Partnerschaften Polens mit Deutschland und Litauen entscheidend für die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union angesichts des Ukraine-Krieges. Im 20. Jahrhundert waren Polen und Ukrainer Partner und Feinde. Die Beziehungen zwischen diesen Nationen waren in den letzten hundert Jahren ähnlich wie die deutsch-polnischen oder polnisch-litauischen geprägt durch Krieg, Gewalt, Terror, Grenzrevisionismus, aber auch Verständigung und Versöhnung. Dass die polnisch-ukrainischen und deutsch-polnischen Beziehungen im 20. Jahrhundert eine positive Richtung einschlagen konnten, ist maßgeblich den Intellektuellen der polnischen Exil-Zeitschrift „Kultura“ zu verdanken. Die in Frankreich bis 2000 von Jerzy Giedroyc herausgegebene Zeitschrift leistete einen entscheidenden Beitrag zur Verständigung und Befriedung der Beziehungen Polens zu allen Nachbarn. Giedroyc bezeichnete seine Zeitschrift als ein „Laboratorium politischen Denkens“. Dieses Laboratorium, dieser Think Tank beeinflusste ganze Generationen polnischer Intellektueller, Künstler und Politiker und hat Polens Verhältnis zu den Nachbarn entscheidend geprägt. Basil Kerski stellt die modellhaften Ideen und Initiativen der „Kultura“ vor und zeigt ihre Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Nachbarschaften in der Mitte Europas.

Moderation: Johannes Kleinmann
Zeit: 11:15 Uhr
Ort: ONLINE (Anmeldung unter: klodnicki@europa-uni.de)