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Forschungskolloquium des Zentrums für Interdisziplinäre Polenstudien im Wintersemester 2021/22

Donnerstag 11.00 – 13.00 Uhr c.t.

Das Forschungskolloquium des Zentrums für Interdisziplinäre Polenstudien dient der Diskussion neuerer Forschungsansätze und Methoden der interdisziplinären Polenstudien. Polenstudien werden hier als integraler Teil einer regional aufgestellten Ostmitteleuropaforschung verstanden. Ziel ist ein umfassendes Verständnis – historischer wie aktueller – gesellschaftlicher, ökonomischer und kultureller Prozesse in Polen vor einem europäischen wie globalen Hintergrund. Diese Auffassung von Polenstudien setzt eine interdisziplinäre Herangehensweise voraus. Das Frankfurter Zentrum ergänzt die traditionell eher geisteswissenschaftlich geprägte Polenforschung durch wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Ansätze und Methoden.

Seit dem Wintersemester 2012/13 haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Doktoranden und Doktorandinnen sowie Assoziierte aus den Bereichen Medien und Wirtschaft in über 200 Vorträgen ihre Arbeit vorgestellt und diskutiert.

Aus Anlass des 10-jährigen Bestehens des Zentrums wurden die assoziierten Mitglieder eingeladen, ihre aktuellen Forschungsthemen zu präsentieren

Interessierte sind herzlich willkommen und melden sich bitte bei klodnicki@europa-uni.de an.

Der Vortrag stellt das internationale und interdisziplinäre Projekt vor, das anlässlich des 100. Geburtstages von Karl Dedecius (1921–2016) zu Ehren des herausragenden Übersetzers und Humanisten, Botschafters der polnischen Kultur und Vermittlers zwischen Polen und Deutschland realisiert wird. Ziel ist es, das breitgefächerte Schaffen Dedecius‘ als Translator, Literaturkritiker und Wegbereiter des polnischen kulturellen Lebens in der Bundesrepublik Deutschland zu präsentieren und zu würdigen. Im Rahmen des Vortrags wird das Buch Karl Dedecius. Inter verba – Inter gentes vorgestellt.

Moderation: Prof. Dr. Dagmara Jajeśniak-Quast und Konrad Walerski
Ort: AM 03

Solidarität mit Schwierigkeiten: Das Bremer Koordinationsbüro der polnischen Gewerkschaft Solidarność und das Engagement Bremens für Polen in den 1980er Jahren. Buchvorstellung

13. Dezember 1981. Eine Delegation der polnischen Gewerkschaft Solidarność aus Danzig trifft in Bremen zu einem Arbeitsbesuch ein. Dort erfahren sie, dass wenige Stunden nach ihrer Ausreise aus Polen dort das Kriegsrecht verhängt und die Solidarność zerschlagen wurde. Sie beschließen daraufhin, in Bremen zu bleiben, und gründen ein »Informations- und Koordinationsbüro«, um so Hilfe für die Solidarność zu organisieren.

Rüdiger Ritter zeichnet erstmals das Wirken des Bremer Büros detailliert nach. Mit der Unterstützung des Bremer Senats und der Bremischen Bürgerschaft, aber auch vieler Organisationen und Privatpersonen entfalteten die Büromitglieder anfangs beträchtliche Aktivität, bis sie in die Mühlen der deutsch-polnischen Missverständnisse gerieten: Gläubige katholische Freiheitskämpfer einerseits und gestandene deutsche Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre andererseits – auch wenn sie in Bremen nicht zueinander fanden, so stand das Bremer Büro doch am Beginn eines neuen deutsch-polnischen Annäherungsprozesses, der sich an diesem Beispiel wie in einem Brennglas betrachten lässt. Das Wirken des Büros ist daher sowohl ein zu Unrecht vernachlässigter Teil der Geschichte Bremens als auch der deutsch-polnischen Beziehungen.

Moderation: Prof. Dr. Dagmara Jajeśniak-Quast, Vorsitzende des Kuratoriums des Förderkreises der Europa-Universität Viadrina und Direktorin des Zentrums für Interdisziplinäre Polenstudien
Dr. Markus Pieper, Geschäftsführer der Stiftung Sächsische Gedenkstätten
Ort: Online

Zaufanie jest istotnym zasobem w działalności gospodarczej i od tego zasobu zależy poziom inwestycji prowadzonych przez przedsiębiorców, daje ono pewność poczucia równości w traktowaniu przez instytucje wszystkich podmiotów prowadzących działalność gospodarczą. W związku z poczynionymi obserwacjami wykazano, że wobec deficytu zaufania przedsiębiorców do instytucji formalnych, umacnia się w działalności biznesowej tzw. kultura ostrożności.

Moderation: Prof. Dr. habil. Elżbieta Opiłowska
Ort: GD 05

Die Covid-19-Pandemie hat zahlreiche soziale und politische Folgen. Die vorübergehende Schließung der Grenzen hat nicht nur das Alltagsleben der Menschen in den Grenzregionen, deren Alltagspraxis in den grenzüberschreitenden Raum eingebettet ist, enorm beeinträchtigt, sondern auch die Funktionsfähigkeit der institutionellen Akteure beeinflusst, die an grenzüberschreitenden Aktivitäten beteiligt sind. Im Vortrag werden die Reaktionen und (neuen) Strategien grenzüberschreitender institutioneller Akteure im Kontext von (Re)bordering untersucht. Unter Anwendung des Resilienz-Konzeptes sollen die institutionellen Strukturen, die in Grenzregionen wirksam sind, sowie die Handlungsfähigkeit und Strategien der Akteure im Kontext der „Grenzkrise“ zur Diskussion gestellt werden.

Moderation: Dr. Anna Steinkamp
Ort: GD 05

In Kooperation mit VIADRINA CENTER B/ORDERS IN MOTION

Seit dem 1. Mai 2004 ist Polen Mitglied der Europäischen Union. Es dauerte aber eine Übergangsphase von weiteren sieben Jahren, bis die europäische Arbeitnehmerfreizügigkeit auch für polnische Bürgerinnen und Bürger vollständig umgesetzt wurde. Obwohl Polen inzwischen das zweitwichtigste Herkunftsland bei der zugewanderten Bevölkerung in Deutschland darstellt, wird die aktuelle Mobilität von Polen in der deutschen Öffentlichkeit kaum thematisiert – und in öffentlichen Diskursen über Probleme im Zusammenhang mit Migration und Integration wird nur noch selten auf Polen verwiesen. Aus dem Blick gerät damit, dass auch bei der aus Polen zugwanderten Bevölkerung ein kleiner Teil – um mit einem Konzept von Robert Castel zu sprechen – in einer Zone der Prekarität oder sogar Abkopplung lebt. Prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse bilden die Schattenseite der Freizügigkeit in unzureichend regulierten Arbeits- und Wohnungsmärkten. Nach einer kurzen Rekapitulation der jüngeren Geschichte der Zuwanderung aus Polen werde ich Befunde und Überlegungen aus einem laufenden Forschungsprojekt zur Lage mobiler EU-Bürgerinnen und -Bürger mit Unterstützungsbedarfen in Hamburg vorstellen. Bezugspunkte sind die Konzepte des Neuanfangens, der Bewältigung und der sozialen Unterstützung.

Moderation: Dr. Falk Flade
Ort: GD 05

In der deutsch-polnischen Grenzregion finden täglich vielfältige grenzüberschreitende Begegnungen und Kooperationen statt. Wie verständigen sich dabei die Leute auf beiden Seiten der Oder? In diesem Vortrag werden die Verbreitung und Eigenschaften der verschiedenen Möglichkeiten anhand empirischer Daten beleuchtet. Es geht darum, welch unterschiedliche Rolle die lokalen Sprachen Deutsch und Polnisch als Verständigungsmittel spielen, wie Dolmetschen, rezeptive Mehrsprachigkeit, Sprachaustausch (fremdsprachiger polyglotter Dialog) und Sprachmischung zum Tragen kommen, aber auch wo Drittsprachen wie Englisch oder Esperanto eingesetzt werden. Jede der hier genannten Möglichkeiten leistet einen eigenen Beitrag zur Überwindung der Sprachbarriere und verdient gesonderte Beachtung.

Moderation: Dr. Gero Lietz
Ort: GD 311

Im Frühjahr 2021 wurde in Kulice/Külz das Internationale Zentrum für interdisziplinäre Studien der Universität Szczecin gegründet. Es trat an die Stelle des Tagungszentrums in dem ehemals Bismarckschen Herrenhaus, das in unterschiedlichen Konstellationen dort seit 1995 bestand. Der Vortrag wird die Entstehung und Entwicklung des Zentrums beleuchten und die Pläne und Projekte für die kommenden Jahre vorstellen.

Moderation: Dr. Frank Grelka
Ort: GD 311

In 1815, European powers established a political border across historical Kuyavia. Soon, this mostly Polish-speaking region developed into a borderscape with vibrant official and unofficial trade networks. The paper looks at the region's development after the establishment of the major railroad crossing at Aleksandrów in 1861. Here, smugglers, insurgents, and merchants lived off a border and a railroad line that linked and divided the German and Russian Empires.

Moderation: Dr. Lidia Zessin-Jurek
Ort: online

Am 29. November 1987 fand das erste demokratische und faire Referendum in der Geschichte Polens statt. Das kommunistische Regime ließ die Polinnen und Polen über die geplante marktorientierte Wirtschaftsreform abstimmen. Das Referendum scheiterte jedoch an dem zuvor festgelegten, ungewöhnlich hohen Quorum und markierte damit die erste offene und unverfälschte Niederlage der Kommunisten in der Geschichte des Ostblocks. Was bewog Jaruzelski, ein solches Risiko einzugehen? Welche Rolle spielten neoliberale Ideen eines „sozialistischen Thatcherismus“? Und warum handelt es sich bei dem Referendum von 1987 um einen vergessenen Wendepunkt der polnischen und osteuropäischen Transformationsgeschichte?

Moderation: Johannes Kleinmann, Dr. Stephan Rindlisbacher
Ort: GD 311

Das Schaffen Kleists hat viele Generationen von Bühnenautoren und Regisseuren inspiriert. Heute lässt sich beim Rückgriff auf die Werke des Dichters aus Frankfurt an der Oder eine klar subversive Ausrichtung erkennen. Eine neue Generation von Autoren und Regisseuren setzt dabei gern auf Techniken des postdramatischen Theaters und bringt so eine als transtextuelles Drama bezeichnete neue Qualität hervor. Der Vortrag lenkt einerseits die Aufmerksamkeit auf die ganz eigene Theatralität der Werke Kleist, andererseits aber auch auf bestimmte Strategien des heutigen Theaterschaffens, mit denen quasi eine Annihilierung dieser Theatralität einhergeht.

Moderation: Dr. Małgorzata Szajbel-Keck
Ort: GD 311