Banner Viadrina

Markus Pieper

MP-web-7 ©ivooo.nl
Thema der Promotion:
„Parteiauftrag: Städtepartnerschaft. Kommunal- und Parteipartnerschaften zwischen der DDR und der Volksrepublik Polen und die Städtepartnerschaft Dresden–Breslau mit einem Ausblick auf heute“

Städte- und Kommunalpartnerschaften wurden bislang vor allem im westeuropäischen Kontext und hier in erster Linie als „kommunale Außenpolitik“ zwischen der Bundesrepublik und Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg betrachtet. Aber auch in den sozialistischen Diktaturen des Ostblocks bestand diese Form der kommunalen Zusammenarbeit seit den fünfziger Jahren. Die Dissertation untersucht die Kommunalpartnerschaften zwischen der DDR und Polen am Beispiel der 1959 gegründeten Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Breslau (Wrocław). Sie zeichnet deren wichtigste Formate, Zäsuren, Rahmenbedingungen, politische Funktionen und die durch die Partnerschaften eröffneten Kontakträume der ostdeutschen und polnischen Bevölkerung nach. Die Untersuchung reicht von der Phase der Partnerschaftsgründungen in den fünfziger Jahren über die Hochphase der ostdeutsch-polnischen Beziehungen in den siebziger Jahren und deren machtpolitische Instrumentalisierung während der Zeit der Solidarność und dem Kriegsrecht 1980–83 bis hin zum Zusammenbruch der sozialistischen Parteidiktaturen 1989/90. Ein Ausblick auf die deutsch-polnischen Städtepartnerschaften heute spürt Kontinuitäten und Diskontinuitäten über den Systemwechsel hinweg auf. 

Die kommunalpartnerschaftliche Perspektive ermöglicht dabei eine Reihe von Differenzierungen der bisherigen ostdeutsch-polnischen Beziehungsgeschichte. So eröffneten die Partnerschaften einerseits ungeahnt breite Kontaktmöglichkeiten für ostdeutsche und polnische einfache Kader und untere Verwaltungsangestellte in Zeiten der ansonsten hermetisch geschlossenen Grenze. Andererseits funktionierten Kommunalpartnerschaften als Transmissionsriemen gesamtstaatlicher Politik und dienten der DDR-Staatssicherheit in den achtziger Jahren unter anderem dazu, unbemerkt Spitzel nach Polen zu schleusen. Die Analyse zeigt, dass Städtepartnerschaften als eigenständige Partnerschaftsform im Sozialismus letztlich nicht existierten, sondern dass sie integraler Bestandteil der Parteizusammenarbeit zwischen SED und PZPR waren. Für die bislang weitgehend auf demokratische Staaten fokussierte Städtepartnerschaftsforschung werden sie als neuer Typus der „sozialistischen Partnerschaften“ erstmals umfassend untersucht. 

Biografische Angaben: Magisterstudium der Osteuropäischen Zeitgeschichte, Politikwissenschaft und Publizistik in Oldenburg, Berlin (Freie Universität) und Warschau. 2003–08 wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stiftung Ettersberg zur vergleichenden Erforschung europäischer Diktaturen und ihrer Überwindung in Weimar. 2008–12 Referent und Leiter des Sachgebiets für Veranstaltungen beim Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Berlin. Seit Oktober 2012 bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin: zunächst als Referent für Gedenkstättenarbeit, 2014–17 Projektleiter „Internationales Dissidenten-Lexikon“ und seit Oktober 2017 Leiter des Arbeitsbereichs Gedenkstätten und Erinnerungskultur.

Fachbereich: Kulturwissenschaften

Betreuerin: Prof. Dr. Dagmara Jajeśniak-Quast