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Hanna Malik

Studenten nach ihrem Abschluß in Roben ©Heide Fest
Thema der Promotion:
Kriminalität der transnational tätigen Unternehmen? Verantwortlichkeit juristischer Personen und anderer Personenvereinigungen in Polen und Deutschland unter besonderer Berücksichtigung von internationalen Vorgaben. (Arbeitstitel)

Die Erwägungen, ob neben natürlichen Personen auch Personenverbände zur strafrechtlichen Verantwortlichkeit gezogen werden sollen und dürfen, werden seit Jahren in der deutschen Rechtswissenschaft diskutiert. Der Gesetzesantrag des Landes Nordrhein–Westfalen über Einführung der strafrechtlichen Verantwortlichkeit von Unternehmen und sonstigen Verbänden vom 14.11.2013 hat diese Problematik wieder hoch aktuell werden lassen und löste heftige Kontroversen aus. Auch im Koalitionsvertrag von CDU/ CSU und der SPD (16 Legislaturperiode) wurde der  Ausbau des Ordnungswidrigkeitenrechts "mit Blick auf strafbares Verhalten im Unternehmensbereich" in den Katalog der politischen Reformabsichten aufgenommen. Darüber hinaus sollt laut dieses Vertrages ein "Unternehmensstrafrecht für multinationale Konzerne" geprüft werden. Nicht zu übersehen ist allerdings, dass sich die Verbandsstrafe nur schwer mit dem in deutscher sowie kontinentaler Rechtstradition tief verwurzelten individuellen Strafrecht vereinbaren lässt. Dennoch wurde die strafrechtliche Verantwortlichkeit in den meisten europäischen Länder,  in den letzten Jahren allmählich eingeführt. Angesichts des steigenden, volkswirtschaftlichen Schadens durch Wirtschaftskriminalität und der damit verbundenen generellen Tendenz auf internationaler sowie insbesondere europäischer Ebene, die Verantwortlichkeit der Personenverbände zu erweitern, lohnt es sich, die Entwicklungen in diesem Bereich in den beiden Nachbarländern Polen und Deutschland zu vergleichen.

Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es zunächst, die sog. „Unternehmenskriminalität“, also Rechtsverletzungen, die Unternehmen oder Unternehmensangehörige zum Nutzen des Unternehmens begehen, in Polen und in Deutschland sowie in der grenzüberschreitenden Dimension in den Blick zu nehmen. Weiterhin sollen die verschiedenen Wege zur Bekämpfung der Unternehmenskriminalität auf der internationalen und europäischen Ebene untersucht werden.  Nach Maßstab des Zweiten Protokolls zum Übereinkommen über den Schutz der finanziellen Interessen der Europäischen Gemeinschaften sollen vor allem die Regelungen des § 30 i.V.m. §§ 130, 9 OWiG und die neusten Vorschläge des Landes Nordrhein-Westphalen sowie die polnische Regelung des Gesetzes über die Verantwortlichkeit von Kollektivsubjekten für die unter Strafe stehenden Taten analysiert und verglichen werden.  Des Weiteren sollen Vorschläge zur Verbesserung und möglicherweise Vereinheitlichung der polnischen und deutschen Lösungsansätze zur Sanktionierung von Unternehmen erarbeitet werden.

Biografische Angaben: Seit 2012 Doktorandin am Lehrstuhl für Strafrecht, insbesondere Internationales Strafrecht und Strafrechtsvergleichung, Rechtsphilosophie an der Europa-Universität Viadrina, Masterstudium der Rechtswissenschaften (2005-2010) und der Internationalen Beziehungen (2011-2013) mit dem Schwerpunkt Deutschlandstudien an der Universität Łódź; Auslandsjahr an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster (2008-2009), LL.M. – Studium an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main (2010/2011), gefördert vom DAAD.

Fachbereich: Strafrecht, Strafrechtsvergleichung

Betreuer: Prof. Dr. Jan C. Joerden