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Johannes Kleinmann

Thema der Promotion: „Die Situation erwerbstätiger Polinnen während der lange Transformationszeit in Polen – rechtliche und soziokulturelle Zwänge als Quellen von (Un-)Gleichheit?“ (Arbeitstitel)

Ziel dieses Promotionsprojektes ist es die Situation von erwerbstätigen Polinnen in der „langen Transformationszeit“ in Polen zu untersuchen.  

Dafür werden rechtliche und normbasierte Ungleichbehandlungen in ihrem Einfluss auf die Erwerbsarbeit von Frauen zu analysieren und historisch einzuordnen sein. Insbesondere die Wirkung zweier unterschiedlicher Systeme – der planwirtschaftlich-autoritären Volksrepublik und dem demokratisch-marktwirtschaftlichen Polen – ist aus komparativer Perspektive zu analysieren.

Diese Arbeit geht dabei von folgenden Hypothesen aus: Frauen wurden in der Volksrepublik – entgegen des sozialistischen Gleichheitsnarrativs – systematisch in bestimmte Berufe, Positionen und Rollen gedrängt. Grundlage der Ungleichbehandlung waren Arbeitsgesetze, geschlechterspezifische Normen und Handlungen der relevanten Akteur*innen in Politik und Wirtschaft. Die geschlechterspezifischen Rollenverteilungen in Erwerbsmärkten waren ein verbindendes Element zwischen dem sozialistischen Regime und der (stark katholisch geprägten) Opposition um die Solidarność-Gewerkschaft.

Diese geschlechterspezifischen, positiven wie negativen Diskriminierungen wurden im demokratisch-marktwirtschaftlichen System in anderer Form fortgesetzt. Sie waren von Kontinuitäten im Sinne einer Longue durée geprägt. An der grundlegenden Einstellung zur Erwerbstätigkeit von Frauen änderte sich wenig. In beiden Systemen diente Frauenerwerbstätigkeit als Puffer in ökonomisch schwierigen Zeiten. Frauen wurden in Krisenzeiten als erste entlassen und dienten in Phasen der Hochkonjunktur als „Stille Reserve“.

Diese Hypothesen gilt es zu überprüfen, um eine Antwort auf die Frage zu finden, ob Polinnen gleichberechtigt an Erwerbsmärkten partizipieren konnten und welchen Einfluss darauf die jeweiligen Wirtschafts- und Gesellschaftssysteme hatten.

Betreuerin: Prof. Dr. Dagmara Jajesniak-Quast
Kontakt: kleinmann@europa-uni.de