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Zentrum für Interdisziplinäre Polenstudien

Das Zentrum feiert mit rund 60 Gästen Jubiläum

Bericht und Fotos: Jessica Kalus / Dokumanie

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„Quo Vadis Zentrum für Interdisziplinäre Polenstudien?“ – Wohin ging und geht die Reise für das Zentrum? Das war die große Frage, die am 10. Juni zur Jubiläumsfeier gestellt und in einer lebendigen Festrede von Dr. Krszysztof Wojciechowski, Verwaltungsdirektor des Collegium Polonicum, beantwortet wurde. Die Reise führte an die Viadrina, wo Forscherinnen und Forscher mit Polenbezug zusammentrafen, um gemeinsam praxisnahe und interdisziplinäre Forschung zu betreiben. Dieses Vorhaben soll nun weiter vorangetrieben werden. Ein großer Dank wurde auch dem Ehrengast Dr. Gunter Pleuger ausgesprochen - "Vater" des Zentrums und ehemaliger Präsident (2008-2014) der Europa-Universität Viadrina.

Die Rede von Dr. Krzysztof Wojciechowski können Sie sich hier ansehen.

Stadt-Ralleye führt bis nach Słubice

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In Kleingruppen zogen die Jubiläumsgäste nach der Festrede mit Fragen im Gepäck durch die Stadt. Startpunkt war das Logenhaus. Weiter ging es mit einem kurzen Abstecher im Hauptgebäude an die Oder und schließlich über die Stadtbrücke bis nach Słubice. Das wohlverdiente Eis bei Górka & Kulka war für die eine oder andere Gruppe abschließend ein Muss.

Gemütlicher Ausklang in der Kulturmanufaktur Gerstenberg

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Gebührend gefeiert wurden vor allem die zahlreichen und erfolgreichen Projekte des Zentrums, die unter der Leitung von Prof. Dr. Dagmara Jajeśniak-Quast etabliert wurden. Dagmara Jajeśniak-Quast bedankte sich bei allen ehemaligen und aktuellen Mitarbeitenden sowie bei den Familien für ihr Engagement und betonte: „Das Zentrum sind Menschen, ohne die diese Arbeit so nicht möglich wäre.“ Ein maßgebliches Erfolgsrezept außerdem sei, dass das Zentrum Polenforschung nicht nur über Polen, sondern mit Polen macht. Mehr dazu im Interview mit Frau Jajeśniak-Quast (s. unten).

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen über das Zentrum

#Internationalität

Das Zentrum setzt auf ein internationales Team, darunter wissenschaftliche Mitarbeitende mit deutschen, polnischen und ukrainischen Wurzeln im Wissenschaftsmanagement und akademische Mitarbeitende aus den USA, Deutschland und Polen. Das Team verbindet eins: sie schwimmen alle in einem Pool mit enormen Wissen über Polen und die deutsch-polnischen Beziehungen.

Vorrangig dient die Forschungseinrichtung der Lehre für Studierende aller drei Fakultäten der Viadrina. Neben Sprachkursen und Seminaren gehören auch Exkursionen zum Angebot des Zentrums. Iryna Tkachivska, studentische Mitarbeiterin am Zentrum, hat an einer dieser Exkursionen teilgenommen und schätzt die praktische Erfahrung.

„Während meines Studiums habe ich ein Seminar in Deutsch-Polnische Übersetzung gemacht. Der Kurs hatte eine Studienreise zum Thema „Vergessene Grenzen“ geplant. Da noch Plätze frei waren, habe ich mich kurzfristig entschieden mitzumachen. Es ging von Katowice im Süden Polens bis ins nördliche Gdynia, entlang der damaligen deutsch-polnischen Zwischenkriegszeitgrenze. Das war der erste Moment, wo ich das Zentrum kennen gelernt habe.“

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Iryna Tkachivska ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum und studiert im Master „Sprache, Kultur, Kommunikation“ an der Viadrina.

Graduiertenschule & Forschungsstätte

Ein großer Meilenstein des Zentrums war die Etablierung der Graduiertenschule. Bereits mehr als zehn Doktoranden wurden hier promoviert. Konrad J. Walerski ist einer der aktuellen Doktoranden und bringt seit 2019 als akademischer Mitarbeiter eine weitere Forschungsperspektive an die Viadrina.

Die Lage der Universität spielt ihm in die Karten. „Eine wichtige Erfahrung ist das Leben an der Grenze zwischen Deutschland und Polen, was ich selber in meiner Heimatstadt nicht erfahren konnte. Das ist eine andere Welt hier, wo verschiedene Leute und Kulturen, verschiedener Sprachen und Weltanschauungen und vor allem verschiedene Geschichten miteinander funktionieren, miteinander verknüpft werden.“

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Konrad J. Walerski promoviert zum Thema „Entwicklung der Soziologie in Polen zwischen 1945 und 1990 im Kontext der Modernisierungsherausforderungen in Wirtschaft und Gesellschaft“.

„Nach 10 Jahren Wanderschaft bin ich zurückkehrt“ – ein Gespräch mit Dr. Prof. Jajeśniak-Quast, Leiterin des Zentrums

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Prof. Dr. Dagmara Jajeśniak-Quast mit  Dr. Krszysztof Wojciechowski (links), Dr. Gunter Pleuger (rechts) und Mario Quast (hinten).

Ziel Viadrina: Du leitest das Zentrum mitsamt des Teams. Welche Reise hast du bis hier auf dich genommen? Wie bist du ans Zentrum gekommen?

Das ist eine schöne Frage. Ich bin zurückgekehrt. Ich habe hier an der Viadrina studiert und auch promoviert. Danach, wie das so typisch ist in der deutschen Wissenschaft, wo anders Erfahrung gesammelt. Und normalerweise ist das fast unmöglich, dass jemand an einer Universität studiert, promoviert und vielleicht noch habilitiert, dass man hier eine Professur bekommt.

Meine Habilitation führte ich an der Uni Siegen durch, und so war ich nach der Promotion insgesamt 10 Jahre auf Wanderschaft. Das heißt ich war am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, dann war ich an der Universität Erfurt an der Professur für ost-mitteleuropäische Geschichte. Aus Erfurt bin ich dann für ein Jahr in die Niederlande gegangen. Dort konnte ich in Ruhe meine Habilitation zu Ende schreiben. Danach kam ich noch in Leipzig unter.

Schon damals, als ich in den Niederlanden war, hat ein Kollege eine Stellenausschreibung für eine Professur an der Viadrina vorgeschlagen. Zu der Zeit habe diese Ausschreibung nicht wirklich wahrgenommen, denn ich war beschäftigt mit meiner Habilitation und dazu noch hochschwanger – damals hatte ich andere Probleme. Aber mein Kollege hatte mich wieder angerufen und meinte, „das ist eine Stelle für DICH, du sollst dich bewerben.“ Wenn ich die Bewerbung nicht abschickte, dann würde er nicht mehr mit mir sprechen. Und so habe ich meine Bewerbung abgeschickt, meine Habilitation am Dienstag zu Ende geschrieben, und am Mittwoch wurde dann die kleine Tochter geboren.

So kam ich zum Vorstellungsgespräch an die Viadrina und habe tatsächlich die Professur bekommen. Und so bin ich nach 10 Jahren Wanderschaft zurückgekehrt. Das war ein großer Vorteil. Es gab keine Konzeption, wenig Geld – aber dadurch, dass ich lokal noch viel kannte, war das mein großer Vorteil, so ein Zentrum aufzubauen. Ich musste nicht fragen wen ich fragen muss.

Jetzt sind zehn weitere Jahre vergangen. Du hast wahrscheinlich mehrere Highlights von denen du erzählen könntest. Wenn du so an das Zentrum denkst, was hat dich am meisten berührt?

Natürlich berührt mich jeden Tag mein Team. Die Menschen sind wirklich klasse. Sie unterstützen mich und ich unterstütze auch sie. Und das ist nicht selbstverständlich, dass Leute so zusammenhalten und arbeiten. Als wir das Zentrum gegründet haben, gab es noch keine Schriftenreihe für Polenstudien, keine Online-Plattform für Polenstudien, keine Kongresse usw. Es gab keine Graduiertenschule mit den Doktoranden. Und das alles ist jetzt da.

Wir konnten das alles tatsächlich in 10 Jahren aufbauen. Dazu zählt auch die Fakultäten-übergreifende Graduiertenschule, wo vierzehn Doktorandinnen und Doktoranden zu polnischen Themen erfolgreich promoviert haben. Wir haben eine Schriftenreihe mit zehn Bänden, auch digital im Open Access, die auf Deutsch und Polnisch veröffentlicht worden sind. Und wir haben auch diese Online-Plattform Pol-Int, die unser ganzer Stolz ist, und nicht nur von uns als Zentrum, sondern auch durch das Alexander-Brückner-Zentrum und durch das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt getragen wird.

Ein weiteres Highlight war unser Kongress zu Polenstudien im Jahre 2017, wo wir über 350 Gäste in der Konzerthalle versammelt haben – alles Polenexperten aus Deutschland aber auch Experten von außerhalb. Das war das erste Mal, wo wir gesagt haben, das ist nicht nur deutsche Polenforschung, sondern das ist Polenforschung, das heißt auch europäische Forschung. Wir haben sogar Leute aus den USA und Japan. Wir vernetzten also weltweit, und der Grund sind die Polenstudien. Und das ist nicht selbstverständlich. Eine Professur für Polenstudien gibt es deutschlandweit nur eine, diese halte ich inne (lacht).

Was macht das Zentrum für Interdisziplinäre Polenstudien aus?

Das Zentrum macht Polenforschung nicht nur über Polen, sondern mit Polen. Für das Zentrum ist wichtig, dass wenn man Polenforschung betreibt, man auch die Sprache spricht. Und es ist die interkulturelle sowie trans- und interdisziplinäre Forschung. Wir haben die traditionelle Polenforschung der Geschichts- und Kulturwissenschaften mit Perspektiven aus den Rechtswissenschaften und der Wirtschaft erweitert. Die tiefen Kenntnisse zum Land brauchen wir. Auch der jetzige Krieg in der Ukraine zeigt, dass wir das Land nicht verstanden haben und regionale Kenntnisse für das Verständnis helfen.

Das macht das Zentrum aus (aus Sicht der Mitarbeitenden)

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